über das gössel, den pinguin und überhaupt….

November 18, 2006

nachruf

Gespeichert unter: nachruf — goessel @ 9:22

diese woche ist ein für mich sehr wichtiger professor der religionswissenschaft an der universität leipzig gestorben.

für mich war er so etwas wie ein großväterlicher freund, und das nach nur 4 semestern. ich glaube kaum, dass mir in meinem zweiten hauptfach ein lehrender so wichtig werden wird, wie in der religionswissenschaft.

herr professor preißler hat mich zur toleranz erzogen wie kein anderer und uns die religionen auf eine so persönliche weise nahe gebracht, dass es schwer erscheint, einen adäquaten ersatz für ihn zu finden.

mit ihm ist ein riesiger erfahrungsschatz verloren gegangen, nicht nur an angelesenen fakten sondern auch persönlichen erfahrungen, berichten und geschichten.

(siehe auch: http://www.uni-leipzig.de/~religion )

fräulein??

Gespeichert unter: 10 euro in die chauvi-schwein-kasse bitte! — goessel @ 9:11

letztens wollte mich meine oma bei ihren ebenso alten bekannten als „fräulein“ vorstellen.

gerade im letzten moment konnte ich das noch verhindern.

in welcher zeit leben wir denn bitte?! auch wenn es vor hundert jahren noch schick war, als fräulein zu gelten, und meine oma den knigge sicherlich auswendig kennt, aber das geht mir ja doch zu weit!

immerhin, als fräulein gelte ich nicht – einmal ist es nicht mein gesellschaftlicher stand (s. goethe, faust I) und anders gesehen ist es dazu auch schon zu spät (biologisch).

nunja, aber nicht nur in der beziehung scheint sich die welt verändert zu haben, seit meine oma erwachsen wurde – nur, ich weiß das, sie scheinbar nicht, oder besser nicht mehr!

letztens regte sie sich auf, man müsse meinem verlobten noch einiges beibringen, was gutes benehmen angeht.

er solle ihr die hand reichen, wenn wir, was so etwa zwei mal im jahr vorkommt, gemeinsam mit der straßenbahn fahren und sie die hohen stufen heruntersteigen muss. aber damit nicht genung, in den mantel zu helfen gehöre sich ja so und das wäre auch jetzt nicht aus der mode gekommen und ob mir das nicht auch gefallen würde.

nunja, ich habe ihr dann in beiden fällen klar gemacht, dass ich chauvinistisches gehabe von vor hundert jahren längst hinter mir gelassen habe und ich darauf keinen wert lege: kein „fräulein“, kein „in-den-mantel-helfen“ und kein“aus-der-straßenbahn-zerren“.

da meine oma aber auf solches zu stehen scheint, werden wir sie jetzt mit ihrem mädchennamen und mit „fräulein müller“ ansprechen (was nebenbeigesagt nach alter vertrockneter jungfräulicher sekretärin in schlechten 70er-jahre-filmen klingt), sie in und aus straßenbahnen zerren, ziehen und nötigenfalls tragen und ihr bei jeder gelegenheit in mantel oder jacke helfen, und wenn sie diese schon an hat, dann ziehen wir sie ihr eben wieder aus und dann hilfsbereit wieder an!

ich bin keine feministin, aber meinen stolz habe ich schon und bestehe daher auf meine eigenständigkeit!

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